Teil 1: Warum vermeiden Menschen das Alleine sein?

Landschaftsfoto zum Blogeintrag Teil 1 "Warum vermeiden Menschen das Alleine sein?" - Judith Schier, psychologische Beratung Düsseldorf

Natürlich sind die Gründe hierfür vielschichtig und von Mensch zu Mensch verschieden. Jedoch lassen sich ein paar zentrale Punkte herausarbeiten. Nachdem ich auf diese Punkte eingegangen bin, werde ich noch auf die unterschiedlichen Reaktionsweisen eingehen und zum Abschluss Möglichkeiten aufzeigen, wie man lernen kann, damit umzugehen.

 

Warum vermeiden Menschen so gerne das Alleine sein? Im Regelfall geht es dabei darum, sich nicht spüren zu wollen.

 

 

1. Sich nicht spüren wollen im Hinblick auf:

  • Mangel
  • Verluste
  • Verletzungen

Den Mangel oder noch schlimmer den Verlust von:

  • Liebe und Zuneigung durch einen Partner, Familie, Freunde
  • Vertrauen, das einem durch Menschen in seinem Umfeld entgegen gebracht wird, das man selbst in andere oder in sich selbst hat
  • Gerechtigkeit und Fairness in allen Lebenslagen, privat als auch beruflich
  • Zuwendung und Achtsamkeit, die andere oder man selbst den eigenen Bedürfnissen entgegen bringt
  • Sicherheit und Geborgenheit durch ein intaktes soziales Netz, gesicherte Lebensbedingungen, Selbstsicherheit
  • Zuversicht und Hoffnung darin, dass alles gut werden wird
  • Respekt und Wertschätzung sich selbst gegenüber als auch durch Partner, Familie, Freunde oder auch Kollegen und Vorgesetzte.

 

Verletzungen entstehen durch entsprechende Mangelzustände oder Verluste, die wir erleiden. Dafür können andere, aber auch wir selbst verantwortlich sein. Aus all dem resultieren:

 

 

2. Gedanken, von denen man sich ablenken möchte:

  • Zweifel – In Bezug auf uns selbst. Wir zweifeln, daran, dass wir es verdient haben, dass etwas Gutes passiert oder wir glücklich sein dürfen. Wir zweifeln an unseren Leistungen und Fähigkeiten usw.
  • Zweifel – In Bezug auf andere. Wir zweifeln daran, dass andere es gut mit uns meinen, sie uns etwas gönnen, nicht zu unserem Nachteil handeln usw.
  • Vorwürfe – gegenüber uns selbst. Wir machen uns Vorwürfe, dass wir nicht gut genug waren, nicht hart genug gearbeitet haben. Wir werfen uns vor, selbst schuld zu sein, dass wir nicht alles versucht haben usw.
  • Vorwürfe – gegenüber anderen. Vorwürfe, weil man benachteiligt wurde, man vernachlässigt wurde usw.
  • Glaubenssätze  – „Es wird immer so bleiben, wie es ist.“ „Ich habe es nicht verdient.“ „Keiner mag mich.“ Und noch viele weitere.

 

 

3. Gefühle, die man nicht fühlen möchte

  • Angst
  • Trauer
  • Frustration
  • Wut
  • Schuld

Ausgelöst durch den Mangel, Verluste oder Verletzungen, die man sich selbst oder andere einem zugefügt haben.

 

 

 

Reaktionsweisen auf das Alleine sein

 

Typ 1: Menschen, die sich kontinuierlich ablenken

 

Viele dieser Menschen sind übertrieben aktiv, gönnen sich keine Ruhepausen, um sich nicht spüren zu müssen. Sie rennen ihrer Karriere hinterher, betreiben exzessiv Sport, decken sich mit Aufgaben zu, sind für andere Menschen im Dauereinsatz nur nicht für sich selbst. Oder sie decken sich und ihre Gefühle durch Substanzen zu, lenken sich durch TV und Internet ab oder füllen die innere Leere durch Unmengen an Essen.

 

 

Typ 2: Menschen die resigniert haben und darunter leiden

 

Im schlimmsten Fall endet all das in Resignation. Menschen, die resigniert haben, gehen anders mit der Einsamkeit und dem Alleine sein um. Sie haben es aufgegeben, sich abzulenken und fügen sich diesem Sumpf an negativen Gedanken und Gefühlen. Einen Ausweg daraus scheint es für sie nicht zu geben.

 

 

Typ 3: Menschen, die das Alleine sein sogar bewusst wählen und sich vordergründig damit auch wohl fühlen

 

Auf eine weitere Gruppe von Menschen möchte ich an dieser Stelle auch noch zu sprechen kommen. Diese Menschen wählen ganz bewusst das Alleine sein und fühlen sich damit auch weitestgehend wohl. Von außen betrachtet erscheinen sie stark, als bräuchten sie niemanden, könnten alles alleine, als würden sie es gar nicht anders wollen. Doch womöglich trügt der Schein. Wir Menschen sind nun mal nur im „Rudel“ überlebensfähig, wir brauchen den Kontakt zu anderen Menschen für unser emotionales und körperliches Wohlbefinden. Was veranlasst einen Menschen dann dazu, das Alleine sein zu wählen?

In den meisten Fällen liegen dieser Entscheidung tiefe Verletzungen zugrunde. Auch hier sind die Auslöser für diese Verletzungen von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Doch nachdem, was sie emotional haben durchmachen müssen, erscheint es ihnen als das kleinere Übel, alleine zu bleiben.

 

So geht jeder unterschiedlich mit dem Alleine sein um und hat auch seine ganz eigenen Gründe dafür, dieses zu tun. Meine bisherigen Erläuterungen geben auch nur einen groben Umriss, denn wie bei allem gibt es auch hier unendlich viele Grauschattierungen und Zwischenstufen. Wir haben eben alle unsere eigene Geschichte.

 

Im zweiten Teil dieses Artikels wird es darum gehen, welche Schritte man gehen kann, um für sich einen positiven Umgang mit dem Alleine sein zu finden.

 

 

© Judith Schier

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