Teil 2: Wie wir zu einem positiven Umgang mit dem Alleine sein finden können

Landschaftsfoto zum Blogeintrag Teil 2 "Warum vermeiden Menschen das Alleine sein?" - Judith Schier, psychologische Beratung Düsseldorf

Im ersten Teil des Artikels bin ich darauf eingegangen, weshalb Menschen das Alleine sein vermeiden und auf welche Art sie darauf reagieren. In diesem Teil geht es mir nun darum, Schritte aufzuzeigen, die zu einem positiven Umgang mit dem Alleine sein führen können. Im Groben sind diese Schritte bei allen drei Reaktionstypen gleich. Sollte es Unterschiede geben, schlüssle ich sie entsprechend auf.

 

1. Erkenntnis:

Typ 1: Für ihn bedeutet dieser Schritt, zu erkennen, dass er sich kontinuierlich im Außen ablenkt und auch zu realisieren, womit er sich ablenkt.

 

Typ 2: Dieser Typ muss sich erst einmal bewusst werden, dass er bereits resigniert hat und er deshalb unter den Gedanken und Gefühlen leidet, die durch die entsprechenden Defizite entstehen. Diese Menschen leiden unter Ängsten, es entstehen depressive Verstimmungen bis hin zu schweren Depressionen und im Regelfall leidet auch das Selbstwertgefühl sehr stark.

Typ 3: Dieser Typ hat es wohl am schwersten zu erkennen, dass ihm etwas fehlt, er eigentlich unglücklich ist und nicht alleine sein möchte. Denn seine Methode hält alles Unangenehme in Schach und damit in Berührung zu kommen und sich mit dem erlittenen Verlust und den daraus resultierenden Ängsten auseinander zu setzen, ist ein sehr schwerer Schritt.

 

2. Entscheidung:

Für alle drei Typen ist es wichtig, sich zu entscheiden, ob sie an ihrer Situation etwas ändern möchten oder nicht. Wer sich eine Veränderung wünscht und wer bereit ist, die Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen, hat die große Chance durch die nächsten Schritte eine Veränderung ins Positive herbeizuführen.

Eine solche Entscheidung kostet Mut und auch Kraft, aber es lohnt sich und ich kann nur jeden dazu ermutigen. In Verbindung mit dieser Entscheidung kann es sehr hilfreich, wohltuend und auch sinnvoll sein, direkt einen kleinen Schritt aus dem „Alleine sein“ heraus zu treten und sich professionelle Unterstützung zu suchen. Jedoch macht es großen Sinn, sich diese Unterstützung mit Bedacht zu wählen, denn der Erfolg einer professionellen Unterstützung lebt von der Beziehung zwischen Berater und Klient.

 

3. Annehmen:

Die völlig normale und menschliche Reaktion auf Erkenntnisse, die unangenehm sind, ist, das Alles direkt loswerden zu wollen. Auch wenn das vielleicht absurd klingt, ist der zentrale Schritt vor dem "Loswerden" erst einmal das Annehmen. Das gilt für alle drei Typen. Es geht darum, anzunehmen, dass überhaupt ein Defizit da ist und die Gedanken und Gefühle zu akzeptieren, die dadurch entstehen. Es geht darum, sich selbst und den eigenen, individuellen Umgang mit dem Alleine sein anzunehmen. Zu akzeptieren, dass man bisher darauf reagiert hat, wie man reagiert hat und liebevolle Nachsicht mit sich selbst walten zu lassen. Denn es gibt triftige Gründe für das eigene Verhalten.

 

4. Verstehen:

Diesen Gründen gilt es auf die Spur zu kommen und sie zu verstehen. Nicht selten liegen sie in der Vergangenheit, an Verletzungen, kleineren oder auch größeren Traumata, die durch andere verursacht wurden und uns noch heute beeinflussen. Häufig werden diese dann durch aktuelle Situationen auch noch verstärkt und veranlassen uns zu entsprechenden Reaktionen. Für alle drei Typen gilt, dass sie erst dann „heilen“ können und ihre Situation ins Positive verändern können, wenn sie bereit sind, sich mit den Gründen für ihr Verhalten auseinander zu setzen.

 

5. Auflösung:

Die Auflösung ist eng an das Verständnis geknüpft. Deshalb ist es nicht mehr weit, wenn man erst einmal an dem Punkt gekommen ist, sich selbst und die Gründe für sein Verhalten zu verstehen, zu verstehen, warum man sich permanent ablenkt, resigniert hat oder das Alleine sein bewusst gewählt hat. Auch wenn es vielen Menschen sehr hilft, sich selbst und die Hintergründe zu verstehen, ist es meist damit noch nicht getan. Denn nach meiner Erfahrung muss man auf die eine oder andere Art und Weise die negativen Gefühle, denen man die ganze Zeit versucht hat auszuweichen, noch einmal „durchleben“, damit sie sich auflösen können.

Wie dieser Prozess aussieht, ist auch hier wieder von Person zu Person verschieden. Es hängt davon ab, zu welchem Typ man gehört, welche und wie viele Gründe einen beeinflusst haben und welcher Weg der Auflösung für einen am geeignetsten ist. Auch an dieser Stelle möchte ich betonen, dass es sehr wichtig ist, seine Unterstützung mit Bedacht zu wählen. Nicht jeder Psychotherapeut, Heilpraktiker für Psychotherapie oder psychologischer Berater passt zu einem, nicht jede Methode ist für einen geeignet. Sich mit der Person, mit der man sich entscheidet einen solchen Prozess zu durchlaufen, wohlzufühlen, ihr zu vertrauen und auch Vertrauen in die Methoden zu haben ist das A und O.

Deshalb: seid mutig, steht für euch ein und geht den Weg, der für euch richtig ist. Am Ende kann nur Gutes auf euch warten.

 

© Judith Schier

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